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Psoriasis im Kindesalter

Welche besonderen Probleme treten auf?

Eine Psoriasis im Kindesalter unterscheidet sich in vielfacher Weise von der Erkrankung bei Erwachsenen. Der Umgang mit der Krankheit und die Therapie stellen an Eltern und Kinder besondere Anforderungen.

Bei etwa einem Drittel aller Psoriasispatienten manifestiert sich die Erkrankung bereits vor dem 20. Lebensjahr. Trotz zahlreicher Gemeinsamkeiten ist die Hautkrankheit bei Kindern und Jugendlichen nur bedingt mit der von Erwachsenen vergleichbar. Neben Unterschieden im Erscheinungsbild stellen sich vor allem im Umgang mit der Krankheit und bei der Therapie besondere Probleme dar.

Anderes Erscheinungsbild als bei Erwachsenen

Bei Kindern und Jugendlichen ist das Erscheinungsbild der Psoriasis verglichen mit dem bei Erwachsenen oft untypisch und eher mild. Dadurch wird die Erkrankung in vielen Fällen nicht sofort erkannt. Wie im Erwachsenenalter auch ist die Plaque-Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen die häufigste Form der Schuppenflechte. Allerdings sind die Plaques oft kleiner, außerdem sind die Schuppung und Ausbreitung in der Haut häufig geringer ausgeprägt als bei Erwachsenen. Eine Ausnahme ist die Kopfhaut: Bei Kindern ist hier die Schuppung oft sehr stark.

Neben der Kopfhaut und den Streckseiten der Ellenbogen und Knie sind im Kindes- und Jugendalter häufiger auch das Gesicht und die großen Körperfalten einschließlich der Achselhöhlen befallen. Bei Säuglingen und Kleinkindern tritt die Schuppenflechte oft zuerst im Windelbereich in Erscheinung. Ein häufiges Symptom im Kindesalter ist zudem Juckreiz.

Die Therapie: Eine besondere Herausforderung

Die Behandlung der Psoriasis stellt an den Hautarzt besondere Anforderungen – nicht zuletzt, weil nur wenige der bei Erwachsenen etablierten topischen und systemischen Wirkstoffe zur Behandlung bei Kindern zugelassen sind und Leitlinien weitgehend fehlen. Wie so oft gilt die Devise: Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Es reicht deshalb nicht, die Dosis von Medikamenten einfach an die Größe des Kindes anzupassen. Manche Medikamente wirken bei Kindern anders als bei Erwachsenen, weil sie in anderer Weise verstoffwechselt werden.

So verfügen Kinder noch nicht über den gleichen Enzymbesatz in der Leber wie Erwachsene. Die körpereigenen Enzyme spielen jedoch beim Abbau und zum Teil bei der Aktivierung von Medikamenten eine wichtige Rolle. Bestimmte Arzneimittel können deshalb bei Kindern ihre Wirksamkeit nicht auf die gleiche Weise entfalten wie bei Erwachsenen, außerdem können andere oder verstärkte Nebenwirkungen auftreten.

Darüber hinaus gilt es, die besonderen Wünsche von Kindern und Jugendlichen bei der Therapie zu berücksichtigen. Jugendliche beispielsweise können oftmals die Anwendung topischer Medikamente vor allem an sichtbaren Körperregionen nicht tolerieren – weil die Wirkstoffe unangenehm riechen oder aussehen und aus Angst vor Spott und Hänseleien durch Gleichaltrige. Vorrangiges Ziel der Schuppenflechte-Behandlung bei Kindern und Jugendlichen ist deshalb die Linderung des Juckreizes und eine deutliche Besserung des Hautbefundes insbesondere an sichtbaren Stellen.

Die Lebensqualität ist oft beeinträchtigt

Eine chronische Hautkrankheit wie die Psoriasis beeinträchtigt die Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen sehr. Obwohl die Schuppenflechte mit weitaus weniger körperlichen Einschränkungen einhergeht als viele andere chronische Erkrankungen, wird sie als mindestens ebenso störend für die Lebensqualität empfunden wie z.B. Nierenerkrankungen, Asthma oder Epilepsie. Ursache dafür sind neben unerträglichem Juckreiz vor allem Hänseleien und soziale Ausgrenzung, die die Betroffenen durch Gleichaltrige erfahren. Auch verlangen die regelmäßige Behandlung und die zahlreichen Arztbesuche den jungen Patienten mehr Disziplin ab, als Kinder gleichen Alters normalerweise erbringen müssen.

Von den Eltern erfordert das Leben mit einem chronisch kranken Kind viel Geduld und Energie. Sie müssen einerseits eine konsequente Therapie und Betreuung des erkrankten Kindes sicherstellen, dürfen andererseits aber die Geschwisterkinder und sich selbst nicht vernachlässigen. Das richtige Maß an Aufmerksamkeit für ein chronisch krankes Kind zu finden, ist oft eine schwierige Gratwanderung, bei der psychologisches Geschick und Fingerspitzengefühl gefragt sind. Hilfe und Beratung können sich die Eltern bei erfahrenen Therapeuten holen. Auch der Austausch mit anderen betroffenen Familien ist oft hilfreich. Wichtig ist es darüber hinaus, das Umfeld des Kindes, also Lehrer, Mitschüler und Freunde, frühzeitig und gezielt über die Erkrankung aufzuklären. Eine Schlüsselrolle kommt dabei den Lehrern und Erziehern zu, die mit einer umsichtigen Vermittlung Verständnis bei den Mitschülern wecken können, ohne Mitleid oder Ablehnung zu provozieren.


Quelle: Benoit, S. & Hamm, H.: Psoriasis im Kindes- und Jugendalter. Klinik und Therapie. Der Hautarzt 2009, 60(2):100-108; Beattie, P.E. & Lewis-Jones, M.S.: A comparative study of impairment of quality of life in children with skin disease and children with other chronic childhood diseases. British Journal of Dermatology 2006, 155:145-151; Hines, R.N.: The ontogeny of drug metabolism enzymes and implications for adverse drug events. Pharmacology & Therapeutics 2008, 118(2): 250-267
Autor: Kathrin Sommer
Stand: Jul 22, 2009


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